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Seniorenhandy

Hinter dem Wort stecken zwei völlig verschiedene Geräte: ein Telefon mit Tasten und ein vereinfachtes Smartphone. Die wichtigste Frage beim Kauf betrifft aber beide, und sie steht in kaum einem Prospekt: Kann das Gerät 4G?

Diese Frage kam in meinen Kursen fast immer von Angehörigen, und sie war fast immer falsch gestellt. Gefragt wurde: Welches Seniorenhandy ist das beste? Die brauchbare Frage lautet: Was soll damit gemacht werden. Danach entscheidet sich alles Weitere fast von allein.

Der Punkt, an dem die meisten Fehlkäufe passieren

Ein Mobiltelefon braucht ein Netz, und die alten Netze verschwinden. Das 3G-Netz wurde in Deutschland bereits 2021 abgeschaltet. Übrig sind 2G als betagter Rest und 4G beziehungsweise 5G als aktuelle Technik. Die Betreiber haben angekündigt, auch 2G mittelfristig zu beenden.

Trotzdem werden bis heute Seniorenhandys verkauft, die nur 2G können. Sie funktionieren im Moment noch, aber sie sind eine Anschaffung mit Ablaufdatum, und niemand sagt das beim Kauf dazu. Für ein Gerät, das zehn Jahre halten soll und oft verschenkt wird, ist das der teuerste Fehler.

Achten Sie deshalb auf die Angabe 4G oder VoLTE. VoLTE bedeutet, dass auch das Telefonieren über das 4G-Netz läuft und nicht nur der Datenverkehr. Steht davon nichts in der Beschreibung, fragen Sie nach oder nehmen Sie ein anderes Gerät. Alle Geräte weiter unten auf dieser Seite beherrschen 4G.

Was die Notruftaste wirklich tut

Hier wird viel missverstanden, und das Missverständnis kann gefährlich werden. Die Notruftaste auf der Rückseite ruft nacheinander die Nummern an, die vorher eingespeichert wurden, in aller Regel Angehörige. Manche Geräte verschicken zusätzlich eine Nachricht mit dem Standort.

Sie verbindet nicht mit einer Notrufzentrale, und sie ist kein Hausnotruf. Wenn niemand abnimmt, weil alle bei der Arbeit sind, passiert nichts weiter. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem Hausnotrufsystem, bei dem rund um die Uhr eine besetzte Zentrale antwortet.

Damit die Taste überhaupt etwas nützt, muss jemand die Nummern eintragen, und zwar mehrere. Genau das wird beim Verschenken oft vergessen. Prüfen Sie außerdem gemeinsam, ob die Taste versehentlich in der Tasche gedrückt werden kann, das ist der häufigste Grund, warum sie später deaktiviert wird.

Tastenhandy: für wen es passt

Für alle, die telefonieren wollen und sonst nichts. Das ist keine Notlösung, sondern eine legitime Entscheidung, und sie hat handfeste Vorteile: Der Akku hält oft eine Woche statt einen Tag, die Tasten lassen sich ohne Hinsehen ertasten, und es kann nichts passieren, was man nicht mehr rückgängig machen kann.

Bei Klapphandys kommt ein Vorteil dazu, den man erst im Alltag bemerkt: Zuklappen beendet das Gespräch. Das Suchen nach der roten Taste entfällt, und genau daran scheitern viele beim Auflegen.

Was ein Tastenhandy nicht kann: Nachrichten über WhatsApp empfangen, Fotos der Enkel anzeigen, Videotelefonie. Das lässt sich auch nicht nachrüsten. Wenn die Familie überwiegend über solche Dienste kommuniziert, wird der Beschenkte damit unfreiwillig ausgeschlossen, und das ist der häufigste Grund, warum ein Tastenhandy nach einem halben Jahr in der Schublade liegt.

Seniorensmartphone: für wen es passt

Für alle, die dabei sein wollen, wenn Bilder und Nachrichten herumgehen, denen ein normales Smartphone aber zu unübersichtlich ist. Diese Geräte legen eine vereinfachte Oberfläche über Android: große Kacheln, wenige Symbole, klare Beschriftung statt Piktogramme.

Anders als bei den Tablets, wo ich von Spezialgeräten abrate, halte ich das beim Telefon für vertretbar. Der Grund ist ein praktischer: Die guten Modelle sperren die normale Android-Oberfläche nicht weg, sondern lassen sie im Hintergrund erreichbar. Wer sich später mehr zutraut, sitzt also nicht fest, und wer helfen soll, findet sich zurecht.

Prüfen Sie das vor dem Kauf. Ein Gerät, das ausschließlich seine eigene Oberfläche zulässt, hat dasselbe Problem wie die Seniorentablets: Niemand im Umfeld kennt sich damit aus.

Oder ein normales Smartphone

Für viele ist das die beste Lösung, und sie kostet meist weniger. Ein gewöhnliches Smartphone lässt sich in zehn Minuten so einrichten, dass es einem Seniorengerät in nichts nachsteht: Schriftgröße und Anzeigegröße hochstellen, den Startbildschirm auf sechs große Symbole eindampfen, in den Bedienungshilfen den Kontrast anheben.

Der Vorteil ist derselbe wie beim Tablet: Wenn etwas klemmt, kann jeder im Umfeld helfen, weil alle dieselbe Oberfläche vor sich haben. Das ist im Alltag mehr wert als jede Spezialfunktion.

Worauf Sie sonst achten sollten

Hörgerätekompatibilität. Das wird fast nie erwähnt und ist für Hörgeräteträger entscheidend. Handys tragen dafür eine Kennzeichnung mit M und T und einer Ziffer, etwa M3 oder T4. Je höher die Zahl, desto weniger stört das Telefon das Hörgerät. Die T-Angabe betrifft die Induktionsspule, mit der sich manche Hörgeräte direkt koppeln lassen. Fragen Sie danach, wenn ein Hörgerät im Spiel ist.

Die Ladeschale. Ein Gerät, das zum Laden einfach hineingestellt wird, landet zuverlässiger an der Steckdose als eines, bei dem ein kleiner Stecker getroffen werden muss. Bei nachlassender Feinmotorik ist das kein Komfort, sondern der Unterschied zwischen geladen und leer.

Die Lautstärke. Nicht nur der Klingelton, sondern auch der Hörer. Manche Geräte werben ausdrücklich mit verstärktem Hörerton, und das ist bei Schwerhörigkeit das Kaufargument.

Der Vertrag. Für ein Tastenhandy genügt fast immer ein einfacher Tarif ohne Datenvolumen. Für ein Smartphone sollten ein paar Gigabyte dabei sein, sonst funktionieren Nachrichten und Fotos nur im heimischen WLAN.

Vier Geräte, die passen

Zwei Tastenhandys und zwei vereinfachte Smartphones, alle mit 4G.

Die folgenden Links führen zu Amazon. Kaufen Sie darüber ein, erhalten wir eine Provision, für Sie ändert sich der Preis nicht. Wir haben diese Geräte nicht selbst getestet, die Angaben stammen von den Herstellern.

Doro Leva E20

Doro
84,99 € bei Amazon

Ein Klapphandy mit großen, deutlich getrennten Tasten und Ladeschale. Der Deckel beendet das Gespräch, das ist für viele der eigentliche Grund für die Bauform: Auflegen ohne Suchen nach der richtigen Taste. Wichtig ist die 4G-Technik, damit das Gerät auch nach dem Ende der alten Netze noch funktioniert.

Vorteile
  • 4G, also nicht von der Abschaltung der alten Netze betroffen
  • Zuklappen beendet das Gespräch
  • Ladeschale, kein Kabel einstecken
  • Deutlich getrennte, gut fühlbare Tasten
Zu beachten
  • Kein Internet, keine Nachrichten-Apps
  • Kamera nur für Notizen brauchbar
  • Klappmechanik ist ein Verschleißteil
Einordnung: Die passende Wahl für alle, die telefonieren wollen und sonst nichts. Der Verzicht ist hier kein Mangel, sondern der Zweck.
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artfone 4G mit Notruftaste

artfone
49,99 € bei Amazon

Ein Riegelhandy im klassischen Format mit großen Tasten, Ladeschale und einer Notruftaste auf der Rückseite. Günstiger Einstieg, ebenfalls mit 4G, sodass es nicht in wenigen Jahren unbrauchbar wird.

Vorteile
  • Günstiger Einstieg
  • 4G-fähig
  • Notruftaste auf der Rückseite
  • Lange Laufzeit, weil wenig Technik darin steckt
Zu beachten
  • Verarbeitung schlichter als bei den Markengeräten
  • Display klein und wenig kontraststark
  • Bedienungsanleitung teils holprig übersetzt
Einordnung: Sinnvoll als Zweitgerät oder wenn ausprobiert werden soll, ob ein Tastenhandy überhaupt der richtige Weg ist.
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emporia SMART.7 lite

Emporia
229,99 € bei Amazon

Ein Android-Smartphone mit einer eigenen, stark vereinfachten Oberfläche und großen Kacheln. Anders als bei vielen Spezialgeräten lässt sich die normale Android-Bedienung dahinter jederzeit erreichen, man sitzt also nicht in einer Sackgasse fest.

Vorteile
  • Große Kacheln, wenige Symbole, klare Beschriftung
  • Normale Android-Oberfläche bleibt erreichbar
  • Notruftaste auf der Rückseite
  • Ladeschale im Lieferumfang
Zu beachten
  • Teurer als ein vergleichbares Standard-Smartphone
  • Nicht das schnellste Gerät
  • Kamera nur durchschnittlich
Einordnung: Der sinnvollste Kompromiss, wenn jemand Nachrichten und Fotos möchte, sich aber von einem gewöhnlichen Smartphone überfordert fühlt.
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emporia SMART.5 Mini

Emporia
169,00 € bei Amazon

Die kleinere und günstigere Variante mit demselben Bedienkonzept. Sie passt besser in kleine Hände und in die Jackentasche, dafür ist der Bildschirm kleiner, was bei stark vergrößerter Schrift schnell eng wird.

Vorteile
  • Handlich und leicht
  • Gleiches vereinfachtes Bedienkonzept
  • Günstiger als die großen Modelle
Zu beachten
  • Bei großer Schrift wird der Bildschirm eng
  • Kleinerer Akku
  • Ältere Android-Version als die neuen Modelle
Einordnung: Passend, wenn das Gerät oft mitgenommen wird und Handlichkeit vor Bildschirmfläche geht.
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Beim Verschenken

Richten Sie das Gerät gemeinsam ein, nicht vorher allein. Wer zusieht, wie die Kontakte eingetragen werden, traut sich später eher, selbst etwas zu ändern. Tragen Sie die Notrufnummern zusammen ein und probieren Sie die Taste einmal aus, solange Sie noch daneben sitzen.

Und schreiben Sie die drei wichtigsten Handgriffe auf einen Zettel, der beim Telefon liegt: annehmen, auflegen, Nummer wählen. Das klingt übertrieben und wird erfahrungsgemäß öfter benutzt als jede Bedienungsanleitung.

Häufige Fragen

Worauf muss ich unbedingt achten?

Auf 4G beziehungsweise VoLTE. Reine 2G-Geräte werden noch verkauft, sind aber eine Anschaffung mit Ablaufdatum.

Was macht die Notruftaste?

Sie ruft nacheinander die hinterlegten Nummern an. Sie erreicht keine Notrufzentrale und ersetzt keinen Hausnotruf.

Tasten oder Smartphone?

Wer nur telefonieren will, nimmt Tasten. Wer Fotos und Nachrichten möchte, braucht ein Smartphone, das lässt sich nicht nachrüsten.

Hat Ihnen das geholfen?

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