Brauche ich ein Seniorentablet?
Meistens nicht. Ein normales Tablet mit drei geänderten Einstellungen ist günstiger, bekommt länger Updates, und im Bekanntenkreis kann jemand helfen, wenn etwas klemmt. Genau daran scheitern Spezialgeräte.
In meinen Kursen kam die Frage in jedem Durchgang, meistens weil Kinder oder Enkel ein Seniorentablet vorgeschlagen hatten. Die Geräte werben mit großen Symbolen, vereinfachten Menüs und einem Notrufknopf. Das klingt vernünftig und ist es im ersten Moment auch.
Der Haken zeigt sich später. Diese Geräte laufen auf einer eigenen Oberfläche, die sonst niemand kennt. Wenn etwas nicht funktioniert, kann weder der Nachbar noch der Enkel helfen, weil beide etwas anderes vor sich haben, als sie gewohnt sind. Bei einem normalen Tablet kennt sich fast jeder aus.
Dazu kommt: Spezialgeräte sind teurer als vergleichbare Standardtablets, und sie bekommen oft nur kurz Sicherheitsupdates. Wenn der Hersteller die Oberfläche einstellt, steht man mit einem Gerät da, das nicht mehr gepflegt wird.
Die drei Einstellungen, die den Unterschied machen
Was ein Seniorentablet verspricht, lässt sich auf jedem normalen Gerät in zehn Minuten einrichten. Es sind im Kern drei Dinge.
Erstens die Schriftgröße. In den Einstellungen gibt es unter Anzeige oder Bedienungshilfen einen Regler für die Schriftgröße und meist einen zweiten für die Anzeigegröße, der auch Symbole und Schaltflächen mitwachsen lässt. Der zweite ist der wichtigere, wird aber oft übersehen.
Zweitens der Startbildschirm. Alles, was nicht gebraucht wird, kommt herunter. Was übrig bleibt, sind fünf oder sechs große Symbole in immer derselben Anordnung: Telefonieren, Nachrichten, Fotos, Internet, Wetter. Ein aufgeräumter Startbildschirm nimmt mehr Angst als jede Anleitung.
Drittens die Bedienungshilfen. Dort finden Sie höheren Kontrast, größere Zeiger, eine Lupenfunktion und die Möglichkeit, dass Texte vorgelesen werden. Diese Einstellungen sind auf jedem Gerät vorhanden und werden fast nie benutzt, weil sie tief in den Menüs liegen.
Wenn Sie das für jemanden einrichten: Machen Sie es gemeinsam, nicht vorher allein. Wer zusieht, wie die Schrift größer wird, weiß hinterher, wo der Regler war. Wer ein fertig eingerichtetes Gerät bekommt, traut sich nichts zu ändern.
Worauf es beim Kauf ankommt
Die Updates. Das ist das wichtigste Kriterium und steht in keinem Prospekt. Fragen Sie ausdrücklich, wie lange das Gerät Sicherheitsupdates bekommt. Bei sehr günstigen Tablets sind es manchmal zwei Jahre, bei ordentlichen fünf bis sieben. Ein Tablet ohne Updates ist nach ein paar Jahren ein Risiko, kein Schnäppchen.
Die Größe. Zehn bis elf Zoll sind der beste Kompromiss. Auf acht Zoll wird die Schrift eng, sobald man sie größer stellt, und die großen Geräte mit dreizehn Zoll wiegen um die sechshundert Gramm. Das merkt man nach zwanzig Minuten im Sessel deutlich.
Das Gewicht. Fassen Sie das Gerät im Laden an und halten Sie es eine Minute lang so, wie Sie es zu Hause halten würden. Alles über fünfhundert Gramm wird auf Dauer unangenehm, besonders wenn die Hände nicht mehr so kräftig sind.
Der Speicher. 64 Gigabyte reichen für Fotos, Videotelefonie und ein paar Anwendungen. Wer viele Fotos vom Handy übernimmt, ist mit 128 besser bedient. Ein Steckplatz für eine Speicherkarte ist praktisch, aber kein Muss.
Was Sie nicht brauchen: ein Mobilfunkmodul. Ein Tablet mit SIM-Karte kostet Aufpreis und eine monatliche Gebühr. Zu Hause genügt das WLAN, und unterwegs kann das Handy den Zugang teilen.
Apple oder Android
Beides funktioniert. Die ehrlichere Frage ist: Was benutzen die Menschen, die Ihnen helfen werden? Wenn Tochter und Enkel iPhones haben, ist ein iPad die pragmatische Wahl, weil dann jeder sofort weiß, wo etwas steht. Umgekehrt genauso.
Sachlich unterscheiden sie sich vor allem beim Updatezeitraum, der bei Apple traditionell lang ist, und beim Preis, der bei Android niedriger anfängt. Für das, was die meisten mit einem Tablet tun, also lesen, sehen, telefonieren und Fotos anschauen, spielt der Rest kaum eine Rolle.
Was wirklich hilft
Nach vielen Kursen ist mein Eindruck: Das Gerät entscheidet weniger, als alle denken. Entscheidend ist, ob jemand da ist, den man ohne Scham fragen kann, und ob der Startbildschirm gleich bleibt. Nichts verunsichert so sehr wie ein Symbol, das plötzlich woanders liegt, weil jemand beim Aufräumen geholfen hat.
Wenn Sie also ein Tablet verschenken: Richten Sie es gemeinsam ein, ändern Sie danach nichts mehr ohne Absprache, und schreiben Sie die wichtigsten Handgriffe auf einen Zettel, der neben dem Gerät liegt.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Seniorentablet?
Meist nicht. Teurer, kürzer mit Updates versorgt, und niemand im Umfeld kennt die Oberfläche.
Welche Größe ist richtig?
Zehn bis elf Zoll. Kleiner wird eng, größer wird schwer.
Brauche ich eine SIM-Karte?
Zu Hause nicht, dort genügt das WLAN. Unterwegs kann das Handy den Zugang teilen.
Hat Ihnen das geholfen?