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Gehirnjogging

Wer täglich Zahlenreihen übt, wird gut in Zahlenreihen. Dass davon der Alltag leichter wird, ist deutlich schlechter belegt, als die Werbung nahelegt. Was nachweislich wirkt, klingt langweiliger: Bewegung, Gesellschaft und ein gut versorgtes Gehör.

Diese Seite gibt einen Überblick über den Forschungsstand und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn Sie bei sich oder einem Angehörigen Veränderungen bemerken, die über gelegentliche Vergesslichkeit hinausgehen, ist der Hausarzt die richtige Adresse, nicht eine Übungssammlung.

Gehirnjogging ist ein Milliardengeschäft, und das ist der Grund, warum darüber so viel Halbwahres im Umlauf ist. Die Grundidee klingt einleuchtend: Das Gehirn ist wie ein Muskel, wer es trainiert, hält es fit. Der Vergleich hinkt allerdings an einer entscheidenden Stelle.

Der Haken heißt Übertragung

In Studien zeigt sich regelmäßig dasselbe Muster. Wer eine bestimmte Übung wiederholt, wird darin besser, und zwar deutlich. Das nennt man Naheffekt, und er ist unbestritten. Die Frage ist, ob sich dieser Gewinn auf andere Dinge überträgt, also ob jemand, der gut in Merkspielen wird, auch seinen Schlüssel seltener verlegt.

Genau da wird die Beweislage dünn. Diese Übertragung auf den Alltag, in der Forschung Ferntransfer genannt, ließ sich in vielen Untersuchungen nicht oder nur schwach nachweisen. Man wird also messbar besser in der App und nicht messbar besser im Leben.

Wie ernst das Thema ist, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2016: Die amerikanische Handelsaufsicht FTC ging gegen den Anbieter von Lumosity vor, weil er mit Wirkungen geworben hatte, die sich nicht belegen ließen. Der Fall endete mit einem Vergleich. Seither sind die Werbeversprechen der Branche vorsichtiger geworden, verschwunden sind sie nicht.

Eine Einschränkung gehört dazu, sonst wäre das Bild zu einfach: Bei sehr spezifischen Trainings, etwa auf Verarbeitungsgeschwindigkeit, gibt es Untersuchungen mit günstigeren Ergebnissen. Die Debatte ist nicht abgeschlossen. Nur ist der Abstand zwischen dem, was belegt ist, und dem, was beworben wird, weiterhin groß.

Was besser belegt ist

Bewegung. Regelmäßige körperliche Aktivität schneidet in Untersuchungen zur geistigen Leistungsfähigkeit im Alter durchweg besser ab als Denkspiele. Es muss kein Sport sein, zügiges Gehen zählt. Der Zusammenhang ist plausibel, weil Bewegung Durchblutung und Stoffwechsel betrifft und nicht nur eine einzelne Fähigkeit übt.

Andere Menschen. Ein Gespräch ist die anspruchsvollste Übung, die es gibt: zuhören, verstehen, erinnern, formulieren, auf Zwischentöne achten, und das alles gleichzeitig und in Echtzeit. Keine App kommt daran heran. Soziale Isolation gehört umgekehrt zu den Faktoren, die in der Forschung mit ungünstigen Verläufen in Verbindung gebracht werden.

Hören. Das wird fast immer übersehen. Unbehandelte Schwerhörigkeit gilt als einer der bedeutsamsten beeinflussbaren Risikofaktoren für geistigen Abbau. Der Zusammenhang ist mehrfach: Wer schlecht versteht, zieht sich aus Gesprächen zurück, und das Gehirn bekommt weniger Anregung. Ein gut angepasstes Hörgerät ist damit womöglich das wirksamste Gehirntraining überhaupt, und es fällt niemandem ein, es so zu nennen.

Wenn Sie an dieser Stelle den Verdacht haben, das Fernsehen sei zu leise geworden statt Ihr Gehör schlechter: Genau darum geht es, und deswegen steht auf dieser Seite auch etwas über Kopfhörer und Hörgeräte.

Was trotzdem für Rätsel und Spiele spricht

Nichts davon ist ein Argument, Kreuzworträtsel wegzulegen. Nur ist der Grund ein anderer als der beworbene. Rätsel machen Freude, sie strukturieren den Tag, sie geben ein Erfolgserlebnis, und sie sind ein Grund, sich mit anderen zusammenzusetzen. Das sind gute Gründe, sie brauchen keine Studienlage.

Entscheidend ist der Schwierigkeitsgrad. Eine Aufgabe, die zu leicht ist, langweilt und bringt nichts. Eine, die zu schwer ist, frustriert und wird aufgegeben. Der nützliche Bereich liegt dort, wo es anstrengt, aber lösbar bleibt, und dieser Bereich verschiebt sich mit der Übung.

Wechseln Sie außerdem die Art der Aufgabe. Wer zwanzig Jahre lang dasselbe Kreuzworträtselheft löst, wird sehr gut in genau diesem Heft. Sudoku, Kartenspiele, ein Instrument, eine Sprache oder ein neuer Weg zum Einkaufen fordern jeweils etwas anderes.

Was Sie sich sparen können

Abonnements mit monatlicher Gebühr, die mit Prozentzahlen zur Steigerung der Gehirnleistung werben. Präparate, die Gedächtnisverbesserung versprechen. Und alles, was Vorbeugung gegen Demenz behauptet, denn das kann nach heutigem Wissensstand niemand garantieren.

Ein Rätselheft für ein paar Euro leistet dasselbe wie die App, kostet einmalig und funktioniert ohne Anmeldung, ohne Daten und ohne Kündigungsfrist.

Häufige Fragen

Bringen die Apps etwas?

Man wird besser in dem, was man übt. Die Übertragung auf den Alltag ist deutlich schlechter belegt.

Was hilft am meisten?

Bewegung, Kontakt zu anderen Menschen und ein gut versorgtes Gehör. Alle drei sind besser belegt als Denkspiele.

Kann man Demenz vorbeugen?

Sicher verhindern lässt sie sich nach heutigem Wissensstand nicht. Es gibt beeinflussbare Risikofaktoren, aber kein Training mit Garantie.

Hat Ihnen das geholfen?

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